Kein Ständer mehr, und nun?

 

Weshalb kein Ständer mehr?

Warum soll man sich mit tollen Begriffen bewerfen, wenn die Problematik dadurch nicht behoben wird? Was nützt es, sich so auszudrücken, dass außer Medizinstudenten niemand weiß, wovon man redet? Das Problem lautet: „Scheiße Leute, ich krieg kein Ständer mehr!!“ ganz nackt und ungeschönt, so wie es ist: „Was kann ich dagegen tun, muss ich Potenzmittel schlucken?“ Es gibt verschiedene Ursachen, weshalb kein Sex (mehr) möglich ist. Ganz allgemein lassen sich die Ursachen für Impotenz in seelische und körperliche Störungen unterscheiden. Die körperliche Seite beschreiben wir im themenverwandten Kapitel „ keine Erektion mehr “. Eines Vorweg: Potenzmittel können Sie sich an dieser Stelle sparen, belohnen Sie sich und Ihre Entscheidung, sich Hilfe zu holen lieber mit einem romantischen Abendessen zu zweit.

Seelische Faktoren aufgrund störender Erlebnisse

Als seelische Faktoren der Impotenz können traumatische Erfahrungen oder die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper angeführt werden. Es gibt mit Sicherheit noch weit mehr seelische Ursachen, die zur (zeitweiligen) Impotenz führen, aber die beiden genannten sind wohl die am weitesten verbreiteten Auslöser. Punkt eins, die traumatischen Erfahrungen.

Da wir keine ausgebildeten Psychotherapeuten sind, gehen wir nicht vom Schlimmsten aus. Ist eine Vergewaltigung bekannt, bzw. nicht auszuschließen, sollten Sie sich schleunigst professionellen Rat holen. Aber auch weit weniger gravierende Einschnitte können uns die Fähigkeit zum Sex versagen. Wurden beispielsweise die Eltern in früher Kindheit beim Sex „erwischt“ der womöglich durch ekstatische Äußerungen und Geräusche lautstark untermalt wurde, kann dies durchaus ein prägendes Ereignis im negativen Sinne sein, denn Kinder können die Schreie aus Lust nicht von Schmerzensschreien unterscheiden. Die meisten Betroffenen können sich an Erlebnisse dieser Art überhaupt nicht mehr erinnern, die Angst lauert jedoch im Unterbewusstsein. Hier sind statt Potenzmittel therapeutische Sitzungen angesagt, in denen die Probleme aufgedeckt und verarbeitet werden können. Zum Therapeuten zu gehen bedeutet keineswegs, dass man plemplem ist, er ist ein Arzt wie jeder andere auch. „Wenn ich mich an das Erlebnis nicht erinnern kann, woher weiß ich dann, dass ich in diese Kategorie gehöre?“ – berechtigte Frage. Dieser Art der Impotenz liegt kein organisches Versagen zugrunde. In einer ruhigen Minute sind Betroffene sehr wohl in der Lage, einen Ständer zu bekommen und auch der Sex mit sich selbst funktioniert oft tadellos. Wie bei jedem anderen gehört das Erwachen mit einem Ständer ein Stück weit zur Normalität. Sobald es jedoch zum Sex mit dem Partner oder der Partnerin kommt – oder besser gesagt, kommen soll – Fehlanzeige.

Kein Ständer aufgrund Unzufriedenheit

Dieselben Beschwerden führt eine Impotenz mit sich, die aufgrund unzureichender Selbstzufriedenheit auftritt. In der heutigen Gesellschaft sind Schönheitsideale an jeder Ecke zu finden, doch kaum jemand von uns kann diesen vorgegaukelten Halbwirklichkeiten das Wasser reichen. Hier ein Pickel, dort ein Leberfleck und ein paar Pfunde zu viel sind in unserer Gesellschaft schon fast ein Makel. Wer möchte sich in diesem Zustand noch nackt präsentieren, um damit zu riskieren, künftig veräppelt zu werden? Leider kann hier nur der Mut zur bewussten Lücke helfen. „Nobody is perfect“ und das soll auch gar nicht so sein. Seien Sie nicht so streng mit sich, Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin findet Sie ganz gewiss attraktiv. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und die Liebe ist auf einem Auge blind. Dimmen Sie das Licht, lassen es langsam angehen und sie werden den besten, härtesten und längsten Ständer hervorzaubern, den Sie je hatten- oder zumindest so, dass es zum Sex genügt. Sind Sie von Ihren eigenen Fähigkeiten nicht allzu sehr überzeugt, verlängern Sie das Vorspiel und es wird sicherlich niemand Anlass zur Beschwerde finden, am allerwenigsten Sie selbst.

Unbewusste Homosexualität

Auch das kann ein Grund sein, warum Sie zwar problemlos einen Ständer bekommen, aber nicht, wenn nackte Frauen mit von der Partie sind. Homosexualität wird noch immer in die hinterste Schublade unserer Gesellschaft gesteckt. Warum? Außenminister sind schwul, Fußballer outen sich, warum auch nicht? Haben Sie schon einmal über die Möglichkeit nachgedacht, dass Sie selbst in diese Personengruppe gehören könnten? Nein, ich? Bestimmt nicht, Quatsch, nie und nimmer!———– Echt? Sind Sie sicher? Wenn Sie sich zu Männern hingezogen fühlen helfen keine Potenzmittel, ein Therapeut wohl auch nicht so wirklich, was kann man also tun? Sie müssen es einfach ausprobieren. Dabei springen Sie natürlich nicht mit dem nächsten Kerl in die Kiste! Sie versuchen zunächst mit Männern innige Gespräche zu führen, ein bisschen zu flirten, die eine oder andere Berührung? Wie fühlt es sich an? Könnten Sie sich vorstellen, im Beisein dieses Mannes einen Ständer zu bekommen?