Potenzmittel kennen und charakterisieren

 

Potenzmittel im Vergleich

Seit etlichen Jahren gibt es zu den sagenumwobenen Rezepten aus Großmutters Küche (Spargel bringt Tinte auf den Füller, etc.) diverse Medikamente, die gegen Impotenz helfen sollen. Dabei ist zu beachten, dass in diesen Fällen mit Impotenz hauptsächlich die erektile Dysfunktion gemeint ist, also wenn trotz sexueller Erregung keine Erektion aufgebaut werden kann. Diese weitverbreitete Form der Impotenz kann automatisch mit zunehmenden Alter auftauchen und entwickelt sich mitunter so schleichend, dass wir sie anfangs überhaupt nicht bemerken. In der Jugend haben wir nie an Potenzmittel gedacht, wir haben gesunde Kinder gezeugt und im Laufe des Daseins wurde der Sex immer seltener.

Wir schieben es auf die Lebensumstände, viel Stress, evtl. Schichtarbeit, die Kinder schlafen nebenan und so weiter. Aber ist das wirklich der Grund? Irgendwann bietet sich der Anlass, Hausfrau und Familienmanagerin wird zu Kuschelkatze und „Hoppla, da geht nix mehr!!“ Panisch werden die Foren nach Potenzmittel durchsucht, denn Viagra ist relativ teuer und schon steht „Mann“ vor dem Chaos: Was ist echt, was hilft wann, und wovon sollte man besser die Finger lassen?

PDE-5-Hemmer

Neben scheußlich schmeckenden Tees, halbgiftigen Baumwurzeln aus irgendwo und mittelalterlichen Folterinstrumenten wie Penisinjektionen gibt es Potenzmittel, die in die biochemischen Prozesse einer Erektion eingreifen. PDE-5-Hemmer werden unter dem Begriff der Potenzhilfen zusammengefasst, weil sie den automatisch stattfindenden Abbau der Erektion hemmen. Vergleichen wir die Erektion mit einer gespannten Feder. Unser Körper versucht diese ständig ohne unser Zutun zu entspannen, nur durch unsere Bemühung (durch die Produktion der Guanosinmonophosphate) kann sie aufrechterhalten werden. Potenzmittel, die auf Basis von PDE-5-Hemmern wirken, bekämpfen die Impotenz, indem sie den Federdruck schwächen, folglich ist es einfacher, sie zusammenzudrücken bzw. die Erektion zu bilden und den Penis erigiert zu behalten. Die Frauenrechtler unter Ihnen werden jetzt entsetzt aufschreien:“ Hey Macho, was ist mit Emanzipation! Frauen haben auch eine Erektion und haben ein Recht darauf, Potenzmittel zu schlucken!“ Ja, da haben Sie natürlich recht, deswegen haben Pharmaindustrien eine Kopie des Viagras rosa angemalt und sie Lovegra genannt. Spaß beiseite. Die weibliche Erektion ist das Anschwellen der Schamlippen und der Klitoris, wodurch bei einigen Damen sogar sichtbar die Vulva geöffnet wird. Das ist aber nicht das Problem der weiblichen Impotenz, sondern viel mehr die abnehmende Fähigkeit der Bildung von als Gleitmittel funktionierenden Vaginalsekreten. Potenzmitteln für Frauen setzen vor allem auf die gefäßerweiternde und dadurch durchblutungsfördernde Wirkung, um dem Lubrikationsmangel entgegenzuwirken. Im Prinzip handelt es sich jedoch um ein auf Sildenafil basierendes Medikament.

Die Flaggschiffe der Potenzhilfen

Neben der babyblauen Wunderpille Viagra aus dem Hause Pfizer beherrschen zwei weitere Potenzhilfen den Markt. Es handelt sich um das Cialis aus dem ebenfalls amerikanischem Hause Lilly Pharma und dem deutschen Äquivalent Levitra von der Bayer AG. Der Unterschied zwischen den Potenzhilfen ist in erster Linie der Wirkstoff. Bei Viagra (und Lovegra) handelt es sich um Sildenafil, Cialis arbeitet mit Tadalafil und Levitra bekämpft die Impotenz mit einer ähnlichen Substanz, dem Vardenafil. Alle drei sind PDE-5-Hemmer, alle drei wirken nur bei vorhandener mentaler Erregung (sie sind also keine Scharfmacher) und alle drei senken den Blutdruck. Die Unterschiede zwischen den Potenzmitteln liegen vor allem in der Wirkungsdauer. Während Viagra zwar zuverlässig, jedoch lediglich 4 Stunden wirkt, sind die Konkurrenten Cialis mit 12-36 Stunden und Levitra mit immerhin 10 Stunden wahre Ausdauerkünstler. Die Gefahr bei diesen beiden Alternativen Potenzmitteln ist jedoch die hohe Wirksamkeit des Präparates. Während die Dosierungen von Viagra mit bis zu 100 mg Sildenafil angeboten werden, reicht bei Cialis und Levitra bereits ein Fünftel, um annähernd dieselbe Wirkung zu erzielen. Problem an der Sache sind die Kopien, die nach Ablauf des Patentschutzes auftreten werden. Im Kampf gegen die Impotenz treten viele Nachahmer auf die Bildfläche, die von Kopie zu Kopie immer schlechter werden. Überdosierungen von bis zu 180% wurden vom Zoll bereits aus dem Verkehr gezogen. Die Gefahr einer katastrophalen Entwicklung der Überdosierung ist bei so intensiv wirkenden Chemiekeulen wesentlich größer, als bei dem relativ friedlichen Viagra. Eine lange Verweildauer der Potenzhilfen im Körper bedeutet aber auch, dass die Verträglichkeit mit anderen Medikamenten lange gewährt sein muss. Wer beispielsweise blutdruckändernde Medikamente nimmt, muss bei den blutdrucksenkenden Potenzhilfen aufpassen. Entweder verstärken sie die Wirkung von anderen blutdrucksenkenden Medikamenten oder sie heben die Wirkung von blutdrucksteigenden Arzneien auf. Wird morgens eine Tablette eingenommen, kann Viagra ohne Probleme abends benutzt werden, denn bis zur nächsten Einnahme der regulären Medizin ist es aus unseren Körpern herausgeschwemmt. Verweildauern von über 10 Stunden könnten diese Sorglosigkeit strafen, wobei durch zu tiefen Blutdruck durch eine Mangelversorgung des Gehirns sogar Ohnmachtsanfälle ausgelöst werden können.